Geschichte

Mühle in Glücksbrunn 1788 Kreidezeichnung von Johann Christian Reinhart [Kunstsammlungen der Veste Coburg]





Geschichte der Lindenmühle in Glücksbrunn
Die Lindenmühle (auch Lindigsmühle) gehört zum heutigen Schweinaer Ortsteil Glücksbrunn. Die Wassermühle befindet sich direkt unterhalb der Austrittstelle des Höhlenbaches aus der Altensteiner Höhle. Mindestens seit Beginn des 17. Jahrhunderts ist eine Mühlennutzung nachweisbar. Nach Kühnemund (1999/2000, 26) „hatte unmittelbar am Mundloch des Höhlenbaches schon vor der Christianisierung eine Kultstätte bestanden.“ Da diese Tradition christianisiert wurde, nimmt Kühnemund (vgl. 1999/2000, 26) an, dass die noch heute (2007) vorhandene, in den Fels gemauerte Nische, bis zur Reformation der Aufbewahrung einer Heiligenfigur diente. In Schweina gab es bis in das 20. Jahrhundert den Brauch, „am 1. Ostertag in der Frühe von dort Osterwasser heimzuholen.“ (Kühnemund, 1999/2000, 26)

Dies deckt sich mit den Aussagen von Rückert (1852,13). Er schreibt: „Wo aus schwarzer Kluft der Bach hervorrauscht (…) nachmals Glücksbrunn oder Höhlenwasser genannt, warfen sich die Wasser schöpfenden Frauen und Mädchen vor dem Bilde der heiligen Jungfrau nieder, das in einer noch sichtbaren Nische der Felsengrotte stand.“

„Unmittelbar neben dem Austritt des Höhlenbaches an die Oberfläche nutzten schon die Bewohner Altensteins, die Familie Hund von Wenkheim [von 1495 bis 1722 Besitzer des Altenstein] seine Wasserkraft als Antrieb für die Lindenmühle, die erst eine Mahlmühle und dann eine Kobaltmühle wurde. (Kühnemund, 1999/2000, 26)

„Die Linden- oder Lindigsmühle […] war ursprünglich eine Lehnsmühle der Hunde von Wenkheim. Der älteste uns bekannte Besitzer der Lindenmühle hieß Hans Hoßfeld (geboren um 1590/ gestorben 24.07.1663). […] Etwa 100 Jahre blieb die Lindenmühle im Besitz der Familie Hoßfeld. Sie wurde jeweils an den Sohn vererbt. Barthel Hoßfeld junior (geb. 17.12.1680) bewirtschaftete die ihm von seinem Vater Barthel senior bereits testamentarisch zugedachte Mühle bereits um 1716, als sie 1717 durch landesfürstliche Verordnung an die Glücksbrunner Gewerken Trier zwangsenteignet und dort ein Poch – und Waschwerk eingerichtet wurde“. (Raddatz,1995,132)

Dies wird durch die Aussagen von Hossfeld (o.J.) unterstützt: „Sie [die Lindigsmühle, Anm. d. A.] wird 1717 als Farbmühle (Blaufarbenmühle) des Kobaltwerkes von der Berggewerkschaft Glücksbrunn für 1233 Gulden gekauft, richtiger zu deren Gunsten zwangsenteignet. Denn Barthel Hoßfeld war zu diesem Verkauf durch landesfürstliche Verordnung angewiesen worden. Sein Sohn Barthel Hoßfeld junior, dem er bereits die Mühle im Testament zugedacht hatte bewirtschaftete sie bereits; der Sohn hatte schon Frau und Kinder.“

Max Krahmann (S. XI) berichtet 1898: "1714 wurde ein Poch- und Waschwerk unter Benutzung der Liedermühle [verm. Druckfehler] eingerichtet und eine Pochmühle hergestellt."

Dies wird von Hausbrand (1936) bestätigt. 1714 wurden im „Kupferbergwerk Schweina die sogenannten Kobaltrücken entdeckt. Als 100 t Kobalterze gefördert waren, baute der Besitzer der Kupfergrube, Georg Siegfried Trier (...), die zu diesem Zweck erworbene Lindenmühle zu einem Blaufarbenwerk um.“ (Hausbrand, 1936, 530)

Im „Geometrischen Grundriß über die Fluhr Marcke des Marktflecken Schweina“ aus dem Jahr 1722 (BA Saalfeld, Acta 1628) wird die Lindenmühle als „die Schmelzhütte“ bezeichnet. Der Plan verzeichnet für das Gebäude 3 (!) Mühlräder. Der Mühlbach verlief zu dieser Zeit ausschließlich östlich und südlich der Mühle.

Auch im „Lageplan der Gebäude und der Gewässerführung des Blaufarbenwerkes Glücksbrunn zum Bau eines neuen Waschwerks von 1736“ wird die Mühle als „Kupferschmelzhütte“ bezeichnet. Der Mühlgraben verläuft, wie bereits 1722, nur östlich und südlich des Gebäudes.

Eine Umrissradierung aus dem Jahr 1789 von Carl Benjamin Schwarz nach einem Gemälde von Johann Christian Reinhart zeigt die Rückseite der Lindenmühle im Wesentlichen in ihrem bis heute (2007) überkommenen äußeren Erscheinungsbild. Die Mahlwerke werden zum damaligen Zeitpunkt von einem mittelschlächtigem Mühlrad auf der Nordseite des Gebäudes angetrieben. Das Wasser wurde östlich des Gebäudes aus dem Mühlgraben entnommen und mit einem Holzgerinne auf das Mühlrad geleitet. Das Wasser floss anschließend in den nördlich des Gebäudes befindlichen, 1732 noch nicht vorhandenen, „neuen“ Mühlgraben zurück. (vgl. Abb.)

1815 beschreibt Mosengeil - romantisch verklärt - die Situation am Austritt des Höhlenwassers in Glücksbrunn. „Man geht dem sanften Rauschen eines Baches nach, der sich wenige Schritte vom Schlosse unter hohen dichten Bäumen aus einer grottenähnlichen Vertiefung stürzt. Er kommt mit einer Thätigkeit und Eile aus dem dunklen Berge hervor, dass man ihm sogleich etwas zu thun gegeben und nah am Felsen eine Mühle für ihn erbaut hat. Ihr ämsiges Sausen und Plätschern giebt diesem hochromantischen, von einem geheimnisvollen Düster umgebenen Plätzchen ein munteres Leben. (Mosengeil, 1815, 53 f.)

Nach Aussage von Hossfeld (o.J.) hat 1818 „Kaspar Trautvetter (…) die Farbmühle[= Lindenmühle ?] von der herzoglichen Kammer zu Gotha für 2100 fl. gekauft“ und als Wohnhaus nutzen wollen. Da er jedoch „die Farbmühle eingerissen“ und „ in eine Mahl- und Schlagmühle verwandelt“ hatte, legten die Müller Friedrich Wangemann, Georg Hoßfeld und Joahnn Christoph Hoßfeld am 29. August 1818 Beschwerde ein, da sie sich im „Wettbewerb benachteiligt fühlten. (…) Ob die Beschwerde Erfolg hatte ist nicht bekannt.“

1824 ging die Mühle in das Eigentum der Familie Weiß, den Begründern der Kammgarnspinnerei über, dies wird durch mehrere Quellen bestätigt. „Nach dem Ende der Kupfer- und Kobaltverarbeitung in Glücksbrunn um 1780 geht die Mühle am 08.05.1824 in den Besitz von Johann Christian Weiß über. In der Kupferschmelze [=Lindenmühle, Anm. d.A.] waren dann Kämmerei, Wäscherei und Lager untergebracht.“ (Raddatz,1995,132)

Das „Schloß Glücksbrunn ging am 8.Mai 1824 mit Garten nebst Quelle und Grotte, ferner dem langen Bau (Obermühle mit Uhr und Glocken, sowie der Kupferschmelze. Mahlmühle (Lindenmühle), Schmiede, Teich und Pochwerk in den Besitz des später geadelten Johann Christian Weiss über.“ (Hartmann, 1937)

Im 19.und 20. Jahrhundert gab es zwei Wasserläufe im Bereich der Lindenmühle. Der ältere, bereits 1722 vorhandene, Mühlgraben verlief östlich und südlich des Gebäudes. Der neuere, noch heute (2007) vorhandene, Graben verläuft auf der Nordseite des Gebäudes. (vgl. historische Katasterkarten)

1839 erwähnt Storck in seinem Aufsatz über „Glücksbrunn und Schweina“ die Lindenmühle: „Aus der Höhlenmündung wieder auf den mit Sitzen eingefassten Lindenplatz getreten, wandern wir nur wenige Schritte zu dem ganz nahen Glücksbrunn hinab. Gleich am Fuße des Bergs begrüßen wir zuerst am hellen Tageslichte den starken Bach, den wir in der Höhle beschifften, und der hier unter hohen dicht belaubten Bäumen mit wahrer Jugendkraft aus einer Felsengrotte hervorbricht und schon nach wenigen Schritten eine Mühle treibt, deren romantische Lage und klappernde Thätigkeit einen sogleich wieder rasch in das bewegte frische Tagesleben hineinwirft.“ (Storck, 1839, S.34 f., zit.nach Seib, o.J.,34 f).

Auch im Jahre 1848 wurde das Höhlenwasser vom damaligen Besitzer J.C. von Weiß noch zum Antrieb der Mühlräder in Glücksbrunn genutzt. (vgl. Groß, 1995,134)

„Später wurde sie [die Lindenmühle] dann zum Wohnhaus umfunktioniert. (…) In den zwanziger Jahren unseres Jahrhunderts befand sich sogar das Standesamt von Schweina in der ehemaligen Lindenmühle.“ (Raddatz,1995,132)

Der südliche Teil des Mühlgrabens wird im Verlauf des 20. Jahrhunderts verrohrt. In den 1970er Jahren wird der noch offenen verlaufende Mühlbach östlich der Lindenmühle zugeschüttet. Seit dieser Zeit fließt das gesamte Höhlenwasser durch den nördlich des Gebäudes gelegenen neueren Mühlgraben ab.

Zu welchem Zeitpunkt die Mühlentechnik außer Betrieb genommen wurde, konnte bisher nicht ermittelt werden. Bis in die 1960er war jedoch das Mühlrad an der Nordseite angeblich noch vorhanden (mündliche Information, November 2005, von Frau Ida Henkel, Schweina). Nach anderen Aussagen war das Mühlrad bereits in den 1950er Jahren nicht mehr existent. (mündliche Information, Juli 2007 von Herrn Robert Schmidt, Glücksbrunn). Während der neuesten Restaurierungsarbeiten wurden im Jahr 2005 Reste eines eisenbeschlagenen Mühlrades auf der Nordseite im Boden gefunden.

1996 wurde durch den damaligen Eigentümer, die Gemeinde Schweina, das Dach der Mühle und die Dachentwässerung erneuert. Die Gemeinde verkaufte die Lindenmühle 2003 an einen Privatmann. Dieser veräußerte das Gebäude im März 2005. Bis zum Herbst 2005 wurden u.a. Bauschuttablagerungen beseitigt, der Bodenstein und die Stützmauer auf der östlichen Seite freigelegt, mit der Gestaltung der Außenanlagen begonnen sowie die Außenhaut des Gebäudes restauriert. 2006 wurden die gesamte Heizungsanlage, die Elektroinstallation und die Sanitäranlagen erneuert und mit dem Innenausbau begonnen.

Quellen- und Literaturverzeichnis

Verwendete Literatur

Brust, Michael K. (2002): Die Altensteiner Höhle - Ein Beitrag zur Geschichte der Entdeckung. Erschließung und Erforschung der ältesten Schauhöhle Thüringens. In: Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie (Hrsg) (2002): Die Schauhöhle Altenstein in Schweina - Natur und Kulturgeschichte eines Geotops. (Schriftenreihe der Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie Nr. 55) Jena. S. 3-34.

Ernesti [August Wilhelm] (1763): Ehrengedächtnis des Wohlgeborenen Magnifici und Rechtshochgelahrten Herrn, H E R R R, D. Karl Friedrich Triers, Churfürstlich Sächsischen Hofraths des Oberhofgerichts Beysitzers und Bürgermeisters der Stadt Leipzig. von der Universität zu Leipzig. Aus dem Lateinischen des Herrn Ernesti übersetzt. Leipzig. (Breitkopfische Buchdruckerey) [übersetzt von Johann Georg Eck]

Fritze, Dr. (1925): Geschichtliches über Bad Liebenstein, Schweina, Steinbach und Atterode. Eisenach (Selbstverlag des Autors). Nachdruck Elch – Verlag, Bad Liebenstein (Hrsg. Holger Munkel), 1999, mit Abbildungen ergänzt.

Groß, Hans (1995): Wasserleitung Domäne oder Gut Schweina. In: Altensteiner Blätter Jahrbuch 1995., Hrsg. Ortschronik Schweina e.V. Barchfeld und Bad Hersfeld. S.124-128.

Hartmann, Gustav (1937): „Geschichte der Kammgarnspinnerei“(unv. Manuskript eines Lehrers, welcher sich mit der Schweinaer Geschichte beschäftigte, im Besitz von Frau Ida Henkel, Schweina)

Hausbrand (1936): Beitrag zur Geschichte der Blaufarbenwerke. In: Zeitschrift für das Berg-; Hütten- und Salinenwesen im Deutschen Reich. Herausgegeben im Reichs- und Preußischen Wirtschaftsministerium. Jahrgang 1936. Band 84 Heft 12. S.517- 545.

Hossfeld, Horst Wilhelm (o.J.): Die Schweinaer Mühlen In : Hossfeld Buch. o.J. o.O.
(u.a. in Besitz von Architekt Burkhardt Hossfeld, Schweina)

Institut für Denkmalpflege Berlin (Hrsg.) (1973): Denkmale in Thüringen. Ihre Erhaltung und Pflege in den Bezirken Erfurt, Gera und Suhl. Erarbeitet im Institut für Denkmalpflege Arbeitsstelle Erfurt. Weimar. (Reihe: Schriften zur Denkmalpflege in der Deutschen Demokratischen Republik. Herausgeben vom Institut für Denkmalpflege Berlin.)

Krahmann, Max (1898): Zeitschrift für praktische Geologie, mit besonderer Berücksichtigung der Lagerstättenkunde. (J. Springer)

Kühnemund, Fritz (1999/2000): Sensationeller Fund aus der Altensteiner Höhle. In: Altensteiner Blätter Jahrbuch 1999/2000., Hrsg. Ortschronik Schweina e.V. Schweina und Immelborn, S.24 - 27.

Mosengeil, Friedrich (1815) : Das Bad Liebenstein und seine Umgebungen. Meinigen.

Raddatz, Edith (1995): Schweinaer Mühlengeschichte. In: Altensteiner Blätter Jahrbuch 1995., Hrsg. Ortschronik Schweina e.V. Barchfeld und Bad Hersfeld. S.129-163.

Rückert, Emil (1852): Altensteins Vorzeit. Hildburghausen. Nachdruck Elch – Verlag, Bad Liebenstein (Hrsg. Holger Munkel), 1999.

Seib, Gerhard (o.J.) [um 1999]: Eine unbekannte Ansicht des Blaufarbenwerkes Glücksbrunn bei Schweina von dem Meiniger Hofmaler Carl Wagner (1796-1867). In: Meininger Museen in der Kulturstiftung Meinigen (Hrsg) (o.J.) [um 1999]: Südthüringer Forschungen Nr. 30, Beiträge zur Kunst- und Kulturgeschichte. Nr. 30. Meiningen. S. 30-35.

Storck, Ludwig (1839): Glücksbrunn und Schweina. In: Sydow, Friedrich von (Hrsg.) (1839): Thüringen und der Harz mit ihren Merkwürdigkeiten.Volkssagen und Legenden. 1. Band Sondershausen. S.226 [hier zit. nach Seib, o.J., S. 34-35]

Trebsdorf, Fritz (1935): Geschichte des Kupferschiefer- , Kobalt – und Eisensteinbergbaues im Altensteiner Revier des ehemaligen Herzogtums Sachsen – Meiningen. Nachdruck Elch – Verlag, Bad Liebenstein (Hrsg. Holger Munkel), 1998.





Verwendete Archivalien

„Geometrische Grundriße über die Fluhr Marcke des Marktflecken Schweina
Ist aufgenommen und in Grundriß gebracht Anno 1722 durch Johann Heinrich Metzler“
(BA Saalfeld, Acta 1628)
[Nachgezeichnet und transkribiert von Schmidt, Suhl]

„Lageplan der Gebäude und der Gewässerführung des Blaufarbenwerkes Glücksbrunn zum Bau eines neuen Waschwerks von 1736
Aufgetragen von mir ! Joh. Seb. Woff ? Bergschreiber Schweina 14. Feb. 1736“
[Nachgezeichnet und transkribiert von Schmidt, Suhl]





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