Geschichte

Glücksbrunn auf einer Ansichtentasse vom Beginn des 19. Jahrhunderts,links der "Alte Bau", rechts das Schloss Glücksbrunn, in der Mitte die Lindenmühle. Im Hintergrund der Park Altenstein, links das Altensteiner Schloss und rechts der Hohle Stein mit dem chinesischem Häuschen. (Abb.aus Seib, o.J.,S.34)  


Geschichte von Glücksbrunn

In den Höhlen des Altensteiner Zechsteinriffs hielten sich bereits in der Jungsteinzeit (4.-3. Jahrtausend vor Chr.) Menschen auf. Dies wird durch einen im 19. Jahrhundert getätigten und am Institut für Ur- und Frühgeschichte der Universität Jena aufbewahrten Fund aus der Altensteiner Höhle belegt. „Mit der Angabe ´Liebensteiner Höhle` liegen zehn kleine ringförmige Muschelscheiben vor . Sie sind auf Pappe aufgenäht und mit der alten Inschrift `Liebensteiner Höhle` versehen. (…) Die Ringlein sind aus Schalen der Margaritana Muschel und gehören nach Material und Form der jungsteinzeitlichen Schnurkeramik an.“ (Prof. Dr. Peschel, Institut für Ur- und Frühgeschichte Uni Jena, 1999 zit. nach Kühnemund, 1999/2000, 27)

Auf dem Antoniusberg (in ca. 1 km Entfernung von Glücksbrunn) wird seit vorchristlicher Zeit ein germanischer Brauch gepflegt. Dort feierten bereits die alten Thüringer zu Ehren von Wodan das Fest der Wintersonnenwende mit einem Feuerkult. Im Zuge der Christianisierung wurde der Brauch des Fackelbrandes auf den 24. Dezember verlegt. Bis 1900 wurde eine riesige Fackel abgebrannt. Heute künden jährlich bis zu 16 weit ins Tal leuchtende Fackeln von der wieder aufsteigenden Bahn der Sonne.
Auch am Austritt des Höhlenbaches in Glücksbrunn soll schon zu germanischer Zeit eine Kultstätte bestanden haben. (vgl. Kühnemund, 1999/2000, 26)

Der Schweinabach wurde 933 erstmalig urkundlich als „Swinaha“ erwähnt. Drei Siedlungen wurden nach dem Bach benannt, Wenigen (Klein)Schweina (das heutige Marienthal); das Dorf Schweina und Hohen-Schweina (das heutige Glücksbrunn). 1330 gingen zahlreiche Orte, darunter Wenigen-Schweina, Schweina und Hohen-Schweina an Berthold von Henneberg. (vgl. Rückert, 1852,10 u.17)

In Hohen-Schweina wurden die Erze des 1441 erstmals erwähnten Kupferbergwerke zu Altenstein und Schweina (vgl. Trebsdorf,1935,17) verhüttet, so dass sich auf die Ansiedlung der Name „Hüttenhof“ oder „die Hütte“ übertrug. (vgl. Rückert, 1852,10 u.17)
Bis zum dreißigjährigen Krieg wird im Gebiet Altenstein, Schweina und Gumpelstadt Kupferbergbau betrieben. Während des dreißigjährigen Krieges kommt der Bergbau jedoch gänzlich zum Erliegen. Ab 1682 wird wieder Bergbau betrieben. 1686 tritt Herzog Bernhard in die Berggewerkschaft ein. 1693 übernimmt der älteste Sohn Bernhards Erbprinz Ludwig einen Teil der Anteile. Im April 1701 verpachtet das Herzoghaus das Bergwerk einschließlich Hüttenhof an Johann Friedrich Trier und dessen Bruder den Ilsenburgischen Berg- und Hüttenverwalter Georg Siegfried Trier. 1702 kaufen die Gebrüder Trier den Hüttenhof (vgl. Trebsdorf,1935 und Schmidt,1996). 1703 wurde im Bereich des heutigen Schlosses ein erstes Herrenhaus für die Trier´sche Familie aus den Steinen der abgebrocheneren Ruine Frankenstein errichtet. (vgl. Beyschlag, 1898 zit. nach Schmidt, 1996,80f.) Dieses Herrenhaus bestand bis 1722. Zu diesem Herrenhaus gehörte auch ein, nach formalen Grundsätzen gestalteter Barockgarten im Bereich des jetzigen Gartens. Am 29. Mai 1706 wurde der Hüttenhof, als hoffnungsvoller Ausdruck des Wunsches nach einem glücklichen Gelingen des Berg- und Hüttenwerkes, von Herzog Ernst Ludwig von Sachsen-Meiningen in Glücksbrunn umbenannt. 1714 werden durch Trier die Kobaltvorkommen im Glücksbrunner Revier entdeckt. 1715 werden 30 aus Sachsen stammende und mit der Kobaltgewinnung vertraute Bergleute angesiedelt. Zwischen 1715 und 1719 ist die erste Blütezeit des Kobaltbergbaues. In Glücksbrunn entsteht das zugehörige Blaufarbenwerk. Die Nutzung der mechanischen Energie der Wasserkraft (Pochwerke, Farbmahlmühen) war für die weitere Verarbeitung des Kobaltgesteins eine wichtige Voraussetzung. 1717 erfolgt der Zwangsverkauf der Lindenmühle zugunsten der Berggewerkschaft Glücksbrunn (Familie Trier). (vgl. Schmidt,1996)

Mit dem Kobaltabbau und dem Blaufarbenwerk werden beträchtliche Summen verdient, von bis zu 40.000 Reichstalern jährlich ist die Rede. (vgl. Trebsdorf, 1935, 38)
Zwischen 1722 und 1725 wird ein neues, prächtiges barockes Herrenhaus, das jetzige „Glücksbrunner Schloss“ für die Besitzer des Gruben- und Blaufarbenwerkes, die Familie Trier errichtet. Von 1730 bis 1760 ist die zweite Blütezeit des Kobaltbergbaues. In den 23 Gruben sind 150 Bergleute und ebenso viele im Blaufarbenwerk angestellt. Zentrales Gebäude für die endgültige Herstellung des begehrten Kobaltblau war der Lange Bau. 1747 wird der Kupferschieferbergbau ganz eingestellt. Grund ist vor allem die Verknappung und Teuerung des zum Verhütten notwendigen Holzes. 1772 sind die auch die Kobaltgänge völlig leergebaut. 1783 wird das Werk von der Familie Trier an den Eisenacher Kaufmann Krauss veräußert. 1789 ersteigert ein Rat Walch das Blaufarbenwerk Glücksbrunn, welches zu dieser Zeit aus 2 Glasöfen, 7 Farbmühlenwerken, 4 Pochwerken und 3 Wäschen besteht. 1794 erwirbt Herzog Ernst II von Sachen-Gotha Glücksbrunn und betreibt das nunmehr unrentable Blaufarbenwerk noch bis 1818. (vgl. Schmidt,1996)

1818 erwirbt das Herzoghaus Sachsen-Meiningen Glücksbrunn. Am 8.Mai 1824 wird das Herrenhaus Glücksbrunn und die Nebenanlagen an den Langensalzaer Johann Christian Weiß verkauft. Der später geadelte Unternehmer richtete im „Langen Bau“ die erste mechanische Kammwollspinnerei Deutschlands ein und nutzte das Herrenhaus für eigene Wohnzwecke. Der zuvor in Fachwerkkonstruktion ausgeführte „Lange Bau“ wird an die neuen Erfordernisse angepasst und in den - bis heute erhaltenen - massiven Klinkerbau umgewandelt. 1827 wird die erste Dampfmaschine erworben. Unter der Herrschaft der Familie von Weiß wird auch der nunmehr unmoderne barocke Garten in landschaftlicher Manier umgestaltet. Am Ende des 19. Jahrhunderts zieht die Spinnerei in neue Gebäude unterhalb des Hüttenteiches. Der „Lange Bau“ wird nur noch als Lager genutzt.

1909 erbt ein Neffe der Familie von Weiß, ein Freiherr von Swaine, das Schloss. Es wird bis zum Ende des zweiten Weltkrieges von dessen Familie als Sommerresidenz genutzt. 1918 werden im Schloss Notwohnungen (trotz der Nutzung als Sommerresidenz) eingerichtet, diese werden bis 1994 genutzt.

In den 1940er Jahren gehen die Gebäude in das Eigentum der Gemeinde Schweina über. 1966 erfolgte die Dachneueindeckung des Schlosses . 1968 wurden die Schlossfassaden restauriert. (vgl. Institut für Denkmalpflege, 1973, 369) Im Schloss wird in den 1980er Jahren ein Jugendklub eingerichtet.

Von 1994 bis 2004 stehen der Lange Bau und das Schloss leer. In den Jahren 2004 und 2005 werden der Lange Bau, die Lindenmühle und das Schloss an verschiedene Privatpersonen verkauft, seitdem finden an allen Gebäuden umfangreiche Restaurierungsarbeiten statt.

Daniel Rimbach

(Quellen und Literatur - siehe Geschichte der Lindenmühle)



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