Altenstein

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Parkbeschreibung

von Daniel Rimbach

(veröffentlicht in „Gartenpraxis“ 9/2004)

Unmittelbar an Glücksbrunn grenzt der Altensteiner Park an. Alle Sehenswürdigkeiten sind fußläufig von der Lindenmühle aus erreichbar.
Fürst von Pückler - Muskau schwärmte bereits 1845 über die besondere topographische Lage von Schloss und Park Altenstein auf einem Plateau am Saum und Südwestabhang des Thüringer Waldes: „Die Lage ist wundervoll. Auf der einen Seite üppige Grasflächen, goldgrün gelockte Hügel, ein ´pleasure-ground´ mit Blumen und uralten Baumgruppen, auf der anderen jäh abstürzende Felsen mit Terrassengärten. (...) Im Park selbst befinden sich viel überraschende barocke Felspartien, die sinnig zu kleinen Gebäuden benutzt worden sind. Alles ist durch chaussierte Fahrwege zugänglich gemacht, die sich später noch als ´drives´ in die endlosen umliegenden Wälder ausdehnen.“ Daran hat sich bis heute nichts geändert. Auf dem Altenstein ist die Verschmelzung von Park und Landschaft, in für Deutschland fast einmaliger Weise, erlebbar.

Dieses zu Unrecht in Vergessenheit geratene Juwel der Gartenkunst befindet sich abseits der bekannten Thüringer Reisepfade etwa 20 Kilometer südlich von Eisenach. Die Parklandschaft wird über Jahrzehnte von den Herzögen und Hofgärtnern von Sachsen - Meiningen unter Mitwirkung berühmter Gartenkünstlern wie Pückler, Petzold und Lenné gestaltet. Sie ist zu jeder Jahreszeit einen Besuch wert. Von besonderem Reiz sind der allmähliche Übergang der gestalteten Anlagen in den Thüringer Wald, die Ausblicke in das Werratal und zur Rhön, sowie die zahlreichen, in die Gestaltung einbezogenen Felsbildungen. Alle wichtigen Entwicklungsphasen des Landschaftsgartens in Deutschland sind im Altensteiner Park ablesbar.

Das Altensteiner Gebiet tritt 724 zum erstenmal aus dem Dunkel der Geschichte. Der Heilige Bonifatius lässt in diesem Jahr eine Kapelle mit Priesterhaus errichten. Ein hölzernes Kreuz auf dem Bonifatiusfelsen erinnert an den angelsächsischen Missionar. An dieser Stelle soll er der heidnischen Bevölkerung das Christentum gepredigt haben. Am westlichen Ende des zum Tal abfallenden Plateaus wird, in unmittelbarer Nähe des heutigen Schlosses, im frühen Mittelalter eine Burg errichtet, der noch mehrere folgen. An die Burgenzeit erinnern heute Mauerreste sowie die, nur nach Anmeldung zu besichtigende, Wasserzisterne. Von 1722 bis 1942 befindet sich der Altenstein im Besitz der Herzöge von Sachsen - Meiningen.

Die Geschichte des Altensteiner Landschaftsgartens beginnt im Jahre 1798. Herzog Georg I. von Sachsen – Meiningen nutzt die hervorragenden natürlichen Gegebenheiten aus, um einen sentimental - romantischen Landschaftsgarten zu inszenieren. Es werden Wege, Sitzplätze und Aussichtspunkte angelegt, Stufen und Bänke in den Fels gehauen, natürliche Höhlen des Zechsteinriffs erschlossen. So wird auch die größte Höhle, die Altensteiner Höhle, für die Öffentlichkeit auf 270 m Länge begehbar gemacht. Den durch einen Höhlenbach gespeisten unterirdischen See nutzt die höfische Gesellschaft für schaurig - schöne Bootspartien bei Fackelschein. Bis heute finden im Sommer im 12 m hohen Höhlendom Konzerte statt. Unter Georg I. entstehen - meist als Bekrönung von Felspartien – zahlreiche Parkarchitekturen und Staffagebauten. So versucht Georg I. mit Errichtung einer neogotischen Ritterkapelle an die Ideale des freien Rittertums anzuknüpfen. Gleichzeitig dient die Ritterkapelle als Versammlungsort für Freimaurer. Im Sinne einer auf begrenztem Raum verwirklichten Idylle des verklärten Landlebens wird im Luisenthal eine alpine Szenerie geschaffen. Eine Sennhütte im schweizerischen Stil befindet sich oberhalb eines künstlichen Wasserfalls, der sich in einen spiegelnden „Bergsee“ ergießt. An anderer Stelle verbindet die Teufelsbrücke, eine Kettenbrücke, zwei Felsen. Sentimentale Gefühle ruft ein mit Blumen geschmückter Sarkophag auf dem Blumenkorbfelsen hervor. Entsprechend der Mode um 1800 werden auch chinoise Bauwerke - ein Teehaus und ein als Rotunde bezeichneter Aussichtspavillon - in die Parklandschaft eingefügt. Mit dem frühen Tod von Georg I. im Jahr 1803 findet diese erste Gestaltungsphase ihren jähen Abschluss. Dadurch wird auch die geplante Errichtung eines chinesischen Dorfes auf dem nach Osten weisenden Morgentorplateau nicht mehr verwirklicht.

In der Mitte des 19. Jahrhunderts werden auch im Altensteiner Park - unter Herzog Bernhard II. - die Ideale des klassischen Landschaftsgartens verwirklicht. Die Schaffung großzügiger Parkräume löst die sentimentale, kleinräumige Landschaftsidylle der ersten Phase der Empfindsamkeit ab. 1847 werden Ideen des Parkomanen Fürst von Pückler - Muskau durch seinen Nachfolger Eduard Petzold umgesetzt. 1855 ist Pücklers Widersacher, der preußische Generalgartendirektor Peter Joseph Lenné, ebenfalls an der Parkgestaltung beteiligt. Die vorhandenen Anlagen werden überarbeitet, Wege neu angelegt, die Pflanzenausstattung ergänzt und das Parkareal schrittweise erweitert. Gestalterischer Schwerpunkt sind die Terrassengärten am Schloss sowie der als Innenpark bezeichnete engere Schlossbereich. Neue Parkgebäude werden kaum noch errichtet. Vom gewandelten Geschmack zeugt auch der Abriss der chinesischen Rotunde 1884.

Höhepunkt und Abschluss der künstlerischen Entwicklung ist die Zeit von 1888 -1914, in der Herzog Georg II., eine als „Theaterherzog“ weithin bekannte Künstlerpersönlichkeit, den Altenstein als bevorzugten Sommersitz nutzt. Am Beginn dieses Entwicklungsabschnittes steht der Umbau des vormaligen Barockschlosses nach englischen Renaissance Vorbildern. Die Täuschung wirkt so echt, dass manch Besucher sich nach England versetzt wähnt. Im Zusammenhang mit dem Schlossumbau werden auch die unmittelbare Schlossumgebung sowie die Terrassengärten umgestaltet. Die schlossnahen regelmäßigen Schmuckbeete sind beispielhafte Kunstwerke für die Teppichgärtnerei der Kaiserzeit. Eine Besonderheit ist die Verwendung von zahlreichen Sukkulenten, insbesondere von Echeverien, Semperviven und Agaven. Karl Foerster arbeitet 1893 als Gehilfe in der Schlossgärtnerei Altenstein. Am Lieblingsplatz des Staudenzüchters, Gartenpoeten und Schriftstellers befindet sich heute die Foerster Bank. Besonders bemerkenswert ist das, in vielen Fachzeitschriften beschriebene, große Altensteiner Teppichbeet südlich des Schlossgebäudes. Im Jahr 2003 wurde das Teppichbeet - nach 90jähriger Unterbrechung - zum erstenmal wieder nach den historischen Vorlagen bepflanzt und ist bereits im ersten Jahr zu einer Besucherattraktion geworden. Auch für die kommenden Jahre ist vorgesehen, das Teppichbeet in historischer Manier zu bepflanzen. Dendrologisch Bemerkenswertes ist hauptsächlich im Innenpark zu finden. Hier sind die Trauerrotbuchen, der Mammutbaum, die Gelbe Pavie sowie die Zwillingsesche zu erwähnen. Im Außenpark wechseln sich geschlossene naturnahe Gehölzbestände vorwiegend aus Rotbuche, weite Wiesen- und Weideflächen mit prächtigen Einzelbäumen und Baumgruppen sowie schroffe Felspartien ab.

Obwohl der Altenstein zunächst in herzoglichem Besitz verbleibt, beginnt mit dem Ende der Monarchie 1918 eine Phase des Verfalls. Die Sommerblumenpflanzungen werden vereinfacht und die Pflege wird schrittweise reduziert. Teufelsbrücke und chinesisches Häuschen werden abgerissen. Seit 1942 sind Schloss und Park Altenstein im Besitz der öffentlichen Hand. 1981, mit der Eintragung in die Denkmalliste, beginnt die schrittweise Restaurierung des Parks. Das 1982 ausgebrannte Schlossgebäude kann noch in den 1980er Jahren in seiner äußeren Form wiederhergestellt werden.

Seit 1995 befindet sich die Gesamtanlage von 160 ha in der Obhut der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten. Die Maßnahmen zur Wiederherstellung des Gesamtkunstwerkes werden seitdem verstärkt durchgeführt. Es erfolgen umfangreiche Restaurierungsarbeiten am Gebäudebestand und in den Gartenanlagen. Im Außenpark stehen die Gehölzregenerierung, das Freihalten der Felsen sowie die Wiesenpflege im Vordergrund. Im Luisenthal ist die alpine Szenerie wieder erlebbar. Die heutige Gestaltung und Pflanzenausstattung des Innenparks entspricht weitgehend dem Erscheinungsbild zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Park Altenstein, 36448 Bad Liebenstein
ganzjährig, ohne Eintritt geöffnet
Schloss- und Parkverwaltung:
Herr Ulrich Muschiol, Tel.: 03696.72513
Informationszentrum Altenstein:
Mai - August, täglich : 11 - 16.30 Uhr
September - April, täglich : 11 - 16.00 Uhr
Schlossmuseum im Hofmarschallamt
Ganzjährig, Mo - Fr. : 7 – 16.00 Uhr
Parkplätze und Gastronomie vor Ort
Internet: www.thueringen.de/schloesser/